Déjà-vu!

So fühlt es sich für mich an, als 2018 zwei Meerschweinchen in das zunächst provisorisch eingerichtete Gehege auf unserer Terrasse einzogen, denn bereits aus Kindertagen kenne ich diese possierlichen und stets hungrigen Tierchen, die stets den Teppich des Kinderzimmers meiner Schwester mit Einstreu „verschönerten“.

Wir möchten hier auch nochmal der Meerschweinchenzüchterin Annika danken, die uns aus ihrer Zucht „RMZ Marschenland“ mit zwei süßen Kastraten versorgte.

Ich darf vorstellen:

Q-Rios aka „Der Dicke“ – Alphatier, Meckerziege und immer hungrig

Q-Rios

Last but not least:

Chris P. Bacon aka „Der Kleine“ – Fellknäuel, Schisser und neugierig ohne Ende

Chris P. Bacon

Da in unserer 2-Zimmer-Dachgeschosswohnung unsere räumlichen Möglichkeit begrenzt sind, entschieden wir uns für eine Außenhaltung auf unserer Terrasse. Wir wollten damit für unsere Tiere eine möglichst natürliche Umgebung schaffen. Weitere Vorteile liegen darin, dass wir die unumgängliche Verschmutzung und den Pippi-/Kacka-Geruch nicht in der Wohnung haben. Die ganzjährige Außenhaltung erhöht sicher auch die Robustheit unserer Tiere.

Da unsere Terrasse jedoch nur zu einem kleinen Teil überdacht ist, bringt diese Entscheidung große Heraus- und Anforderungen an das Gehege mit sich. Denn wir wollen es unseren Tieren so angenehm wie möglich machen und sie möglichst artgerecht halten. Dazu schöpften wir Wissen und Erfahrungen aus mehreren Meerschweinchen-Ratgebern sowie Internetforen. Dort war zu lesen, dass pro Tier eine Auslauffläche von mind. 1 qm² erforderlich sei und zwei Tiere das absolute Minimum darstellen, da Meerschweinchen sehr gruppenbezogen sind. Die klassischen Merkmale eines Meerschweinchengeheges, wie mehrere Unterschlupfmöglichkeiten, Wasserstelle, Futternäpfe und Heuraufe sind obligatorisch.

Die größten Herausforderungen bestanden darin, unsere Tiere vor wetterbedingten Extremen zu schützen, als da wären: Niederschlag jeglicher Art, zu tiefe/zu hohe Temperaturen und Sturm.

Für uns als Halter sollte das neue Außengehege zudem pflegeleicht, gut erreichbar und mobil/flexibel sein.

Angefangen haben wir damit:

Das Ursprungsgehege

Ein klassisches zweistöckiges Gehege aus dem einschlägigen Zoofachhandel mit viel zu wenig Auslauf für Meerschweinchen.

Einige Monate später, sah der digitale Entwurf folgendermaßen aus:

CAD-Zeichnung des Geheges, erstellt mit LibreCAD

Das Grundgestell setzte ich aus Maschinenbauprofilen zusammen, die ich bei SMT-Montagetechnik bestellte. Schon seit Jahren vertraue ich auf Qualität, Auswahl und Preise des Reutlinger Unternehmens und möchte hier nochmal meine Empfehlung aussprechen.

Den Boden des Außengeheges setzte ich aus Lochwänden von Tegometall zusammen.

Drei Wände von Tegometall zusammengeschraubt

Diese Lochbleche werden eigentlich für Warenpräsentationen verwendet. Für dieses Projekt machte ich mir zunutze, dass sie aus recht starkem Blech gefertigt sind und seitliche Abkantungen besitzen, die die Platten steif und verschraubbar machen. Ich wurde bei eBay fündig und erwarb drei gebrauchte Wände mit je 0.4 x 1 m Fläche. Für die Verbindung zwischen Lochplatten und Gehegerahmen wählte ich Flachstäbe aus Aluminium, die mit Schrauben und Nutensteinen in den Profilen verankert werden.

Die Flachstäbe fixieren die Lochplatten. Hier schon in einem späteren Montagestadium.

Die Stabilität der im Rahmen installierten Böden ist damit sogar so hoch, dass ich darauf stehen kann… und das will was heißen. 😉

Um unseren zweifelsohne verwöhnten Tieren den höchstmöglichen Komfort zu bieten, brachte ich an die Unterseite der Lochbleche einen für Terrarien vorgesehenen Heizdraht an, der thermostatgesteuert den Boden des Geheges erwärmt, sobald die Temperatur unter 5° C fällt.

Der Heizdraht ist über die gesamte Fläche verteilt und mit Aluminiumklebeband abgedeckt.

Der Grundrahmen musste nun vollständig zusammengebaut werden, das heißt Bohren, Senken, Gewindeschneiden und Verschrauben.

Zurechtlegen und Verschrauben der Grundrahmenelemente

Die seitlichen bzw. vorderen Glas-/Stegplatten fasste ich in sog. Schutzgitterprofile. Hier wählte ich die Stärke der Platten so (nämlich 6 mm), dass ich zusätzlich ein Dichtungsband auf der Außen- und Innenseite mit einbringen konnte, welches das Eindringen von Feuchtigkeit verhindern sollte. Am Ende schloss ich die verbliebene Lücke noch mit transparentem Silikon, um ganz sicher zu gehen.

Schutzgitterprofil mit ESG-Platte und Dichtgummibändern

Der Deckel wird mit drei stabilen Scharnieren mit dem Grundgerüst verbunden. Die Befestigungsschraube reicht weit in den Profilkern hinein.

Verschrauben eines von drei Gelenken für den Deckel

Die Mobilität des Geheges wird durch vier Rollen auf der Unterseite sichergestellt. Gleichzeitig schützt der Abstand zum Boden vor Kälte und Feuchtigkeit. Zudem sorgt es für eine gute Belüftung des Bodens.

Die Rollen machen das Gehege auf der Terrasse verschiebbar.

Gegenüber der Front und dem Deckel, die mit Echtglas verschlossen werden, verwendete ich (aus Preis- und Gewichtsgründen) für die Seiten Stegplatten aus Kunststoff, die ich mit der Tauchsäge in die richtige Form brachte. Um das Innere der Stegplatten gegen Kondenswasser und Moosbewuchs zu schützen, müssen diese an den offenen Kanten mit dem dafür erhältlichen Dichtband verschlossen werden.

Die seitlichen Stegplatten sind hier noch mit einer Folie geschützt.
Die seitlichen Flächenelemente sind alle eingebracht. Mit dabei ist nun auch schon das Thermostat und dessen Temperaturfühler (mittig auf der Bodenplatte).
Filz auf der Bodenplatte schützt die Metallteile vor aggressivem Meerschweinchen-Pippi.

Jetzt kommt Bewegung ins Spiel, denn es folgt die Montage des Deckels. Dieser besteht auch aus einem Grundrahmen aus Maschinenbauprofilen. Hier wählte ich die sog. ECO-Ausführung, die deutlich materialsparender und somit leichter ist, was mir bei einem manuell zu öffnenden Deckel nicht unerheblich schien.

Der Querschnitt eines ECO-Maschinenbauprofils.

Nun verband ich erst einmal den Rahmen des Deckels mit dem Hauptgestell. So konnte ich die Position des Deckels prüfen und einstellen, sodass der Deckel einerseits oberhalb bündig abschließt und unten weit genug hinausragt, um Regenschutz zu gewährleisten.

Die „Hochzeit“ zwischen Hauptgestell und Deckelrahmen.

Wie ich den Deckel regensicher verschließe, bereitete mir sehr lange positives Kopfzerbrechen. Ich feilte ausgiebig an einer einfach zu montierenden, leichten und dauerhaft witterungssicheren Lösung. Schlussendlich adaptierte ich Konstruktionen, wie sie bei Wintergärten oder Terrassenüberdachungen verwendet werden und passte sie an meine Bedürfnisse an.

Trotz des höheren Gewichtes, entschied ich mich beim Deckel auch für Echtglas, hier jedoch für VSG, welches im Schadensfall an der zwischen den zwei Glasscheiben liegenden Kunststoffschicht haften bleibt und somit nicht auf die Tiere herunterfällt.

Die beiden Glasscheiben liegen auf Gummilippen in flachen Klemmprofilen auf und werden durch selbige von oben an den Deckelrahmen gepresst. So liegen sie spannungsfrei auf und können sich bei Temperaturschwankungen ausdehnen und zusammenziehen.

Ohne ein sog. Ortgangblech regnet es durch die Lücke zwischen Deckel und Unterbau hinein. Dieses Blech überlappt die Lücke und der Regen kann am Blech abtropfen. Da ich kein fertig passendes Blech fand, ließ ich mir eines nach meinen Vorgaben aus eloxiertem Aluminium anfertigen.

Querschnitt des Deckelaufbaus mit VSG-Platte, Klemmprofil und Ortgangblech

An der Oberkante des Deckels übernimmt der Griff zum Öffnen/Schließen auch die Funktion des Regenschutzes.

Die Oberkante des Deckels hier noch ohne installierte Glasplatte und Ortgangblech.

Der vollständig montierte Deckel ist so schwer, dass nur durch zwei starke Gasdruckdämpfer ein leichtes Öffnen und Schließen möglich ist. Bei der Auswahl zwei passender Dämpfer kommen viele physikalische Größen zum Tragen. Glücklicherweise fand ich grafische Rechner im Internet, die die einzelnen Faktoren zu einem guten Ergebnis führen, wie ich nach Montage der Dämpfer erfahren durfte.

Die untere Verankerung eines Gasdruckdämpfers.

Zuletzt montierte ich noch die Außenkamera und verlegte alle Verkabelungen.

Steckdosen und Thermostat

Erst beim Bugsieren der tonnenschweren Geheges auf die Terrasse merkte ich, dass es nur sehr knapp und durch einiges Zirkeln durch die Terrassentür passte. Nach zahlreichen vergossenen Schweißperlen konnte ich den Übergang an das Hauptgehege prüfen und freute mich, dass alles wie geplant passte.

Geschlossener Deckel

Ich freute mich schon sehr für unsere Tiere, als ich die Hanfmatte im Außengehege auslegte und die Einrichtung Stück für Stück aufstellte.

Eine knappe Angelegenheit ist der Deckel, der beim Bewegen fast mit dem Terrassendach kollidiert. Wenn das Gehege an seinem richtigen Platz steht, ist das aber kein Problem.

Fertiges Gehege mit geöffnetem Deckel

Unsere Tiere hatten sofort Spaß an ihrem neuen Gehege und dem Mehr an Platz. Vor allem abends und morgens zeigen sie es durch Luftsprünge oder wie es in Fachkreisen heißt: „Popcornen“.

Mittlerweile haben wir das neue Gehege über ein Jahr testen können und ich muss sagen, dass ich mit vielem sehr zufrieden bin und alles bisher super funktioniert, das Reinigen, das Verschieben, das Öffnen/Schließen und der Wetterschutz. Sogar bei starkem Regen oder Sturm laufen unsere „Teile“ draußen herum und freuen sich ihres Lebens. Ein Zeichen, dass sie sich im Gehege sehr sicher fühlen.

Die Fußbodenheizung erfüllt ebenfalls Ihren Zweck sehr gut. Gut zu erkennen ist dies z.B daran, dass bei Minusgraden das Wasser im Napf nicht einfriert.

Unsere Terrasse ist gen Süd-Westen ausgerichtet und in der Region Oberrhein herrschen vergleichsweise hohe Temperaturen. Für Meerschweinchen (die ursprünglich aus höheren Lagen in Südamerika stammen) bedeuten die deutschen Sommer eine hohe Belastung, sodass wir auch hier einiges unternommen haben, um dem entgegen zu wirken. Sobald es sonnig ist, spannen wir das Sonnensegel über der Terrasse auf und im Hochsommer legen wir eine Kühlmatte für Hunde und eine gefrorene Wasserflasche ins Gehege. Ein nasses Handtuch, welches wir ins Gehege hängen, erhöht die Kühlwirkung zusätzlich.

Seit Kurzem heißen wir ein weiteres Mitglied in unserem Schweinchen-Clan willkommen. Sven-Gustav ist ein Albino. Anfangs gab es zwar heftigen Streit mit unserem Alpha-Männchen Q-Rios. Mittlerweile gehen sich die beiden aber meistens aus dem Weg und die 3-Männer-WG wirkt sehr harmonisch.

Sonntags ist es für uns nun auch schon seit Längerem Routine, das Außengehege wegzuschieben, alles zu reinigen und die Hanfmatten ggf. auszutauschen. Das klappt alles sehr gut und in Kürze ist das gesamte Gehege wieder in einem sauberen Zustand und unsere drei lieben jede Woche aufs Neue das gereinigte Gehege.

Jeden Abend vor dem Zu-Bett-Gehen schauen wir über unsere Smartphones in die Kameras und schicken virtuelle Gute-Nacht-Grüße über die Leitung. Dort sehen wir dann die drei Racker, wie sie sich im Obergeschoss ausbreiten und und schlafen.

Wenn Träume nur sichtbar wären…

Fragen zu unseren Tieren sowie zum Gehege beantworten wir gerne.