Aufgrund einer einmaligen und unerwartet positiven Fügung meiner finanziellen Möglichkeiten, kann ich im Jahr 2014 endlich ein privates Großprojekt und persönlichen Traum realisieren:

Den Kauf und Einbau einer von mir projektierten Einbauküche.

Alle meine bisherigen Küchen – drei an der Zahl – waren/sind entweder fertig eingebaute Küchen oder waren mangels finanziellen Mitteln eine minimalistische Zusammenstellung aus Baumarkt-Oberschränken und Arbeitsplatte. Erstere hatte ich von Vor- oder Vermietern übernommen und konnte weder auf Ausstattung noch auf die Aufteilung Einfluss nehmen. Bezüglich der Zweiten muss ich der Wahrheit zuliebe eingestehen, dass nicht allein die finanziellen Mittel der Grund für den suboptimalen Zustand gewesen sind, schließlich stehen bereits seit dem Jahr 2010 Lautsprecher-Boxen mit einem hohen vierstelligen Wert in meinem Wohnzimmer.

Es waren meine Prioritäten, die mich dazu brachten, die aurale über die orale Kost zu stellen.

Nichtsdestotrotz schwor ich mir schon seit vielen Jahren, irgendwann meinen eigenen Küchentraum zu verwirklichen; mit technischen Spielereien an den stromsparenden Elektrogeräten, viel Stauraum, guter Verarbeitung und elegant-modernem Design.


Wie findet man sich nun im riesigen Dschungel der Küchenhersteller, -händler, -qualitäten und Preisklassen zurecht?

Dazu mein Vor-Fazit zuerst: Es gibt drei Wege beim Küchenkauf:

  1. Der einfache aber teure Weg,
    • Kurz: Man geht ohne Plan zu einem beliebigen Küchenhändler, wählt eine Küche aus und etwa 2 Monate später ist sie da. Fertig!
  2. Der sehr billige aber langfristig unzufriedene Weg,
    • Kurz: Man kauft eine gebrauchte oder 1:1-Angebots-Küche, lässt sich sich nicht auf Sperenzien des Küchenfachberaters (KFB) ein und etwa 2 Monate später ist sie da. Fertig!
  3. Der zeitintensive aber preisWERTe Weg plus (hoffentlich) langfristige Zufriedenheit.
    • Kurz geht hier nicht, denn für diesen Weg habe ich mich entschieden und möchte ihn gern ausführlicher erläutern; ohne Anmaßung, dass es DER richtige Weg ist (wenn es so etwas überhaupt gibt).

Weg #3 bedeutet, monatelang von der Außenwelt abgeschnitten zu sein, vergraben unter Fachbüchern und Herstellerprospekten sowie nächtelanges Durchzechen vor der großen weiten Welt des Küchen-WWWs. 😉

Naja, ganz so schlimm ist es (zumindest bei mir) nicht gewesen. Mein Ziel ist/war es, mich intensiv zu informieren. Das betrifft die Auswahl des Herstellers, die Entscheidung über Materialien, Qualitäten und Geräte. Nicht zuletzt ist insbesondere ein gesundes Maß an Selbstreflexion, bezogen auf Ansprüche, Geldbeutel und Notwendigkeiten ein elementarer Entscheidungsfaktor, kurzum eine kompromissbehaftete Abwägung aus „Was will ich? – Was brauche ich?“

„Was will ich?“ ist immer verbunden mit der Frage, was der Küchenmarkt an Raffinessen hergibt. Demnach steht vor jeder Entscheidung das Informieren. Hierbei hat mir das nicht ganz unumstrittene Buch ‚Clever Küchen kaufen‘ von Heinz G. und Olaf Günther die ersten Schritte in Richtung Küchenkauf geebnet. Als Noch-Küchenlaie empfand ich es als wichtig, mir einen Einblick in die oben beschriebenen küchenbezogenen Entscheidungskriterien und insbesondere Handelspraktiken der Küchenhändler zu verschaffen. Im Laufe des Küchenkaufs bestätigten sich viele der im Buch beschriebenen Praktiken (Preisstaffeln, Typnummern, Meter-Küche, Blockverrechnung). Als grundsätzlich qualitätsbewusster Verbraucher nutzte ich diese Lektüre auch, um Qualitätsmerkmale und -unterschiede feststellen und interpretieren zu können. Genau dafür hat sich der Preis des Buches für mich persönlich bezahlt gemacht. Ebenso rentiert hat sich, dass ich nicht jede Aussage des Buches in meinen Küchenkauf übernommen habe; hin und wieder lohnt sich der gesunde Menschenverstand. 🙂


Mein anbahnender Küchenkauf schlug eine entscheidende Richtung ein, als mir klar wurde, dass nur eine von mir erstellte Planung einschließlich aller Details (Typnummern, Beschichtung, Griffe, Maße, Serviceleistungen usw.) eine Preisvergleichbarkeit ermöglichen würde, vor allen Dingen deshalb, da die Küchenbranche augenscheinlich das Image hat, eine Vergleichbarkeit zu erschweren bzw. verhindern zu wollen. Folglich musste ich zuallererst einen Küchenhersteller finden, der meinen Anforderungen in puncto Qualität und Preis gerecht wird. Später kamen noch weitere Anforderungen hinzu, und zwar: Mehrere Küchenhändler des Herstellers in meiner Reichweite (Preisvergleichbarkeit) sowie eine umfassende Dokumentation des Herstellers über eigene Typnummern, Maße und technische Details. Die Fülle an Anforderungen schränkt die Auswahl deutlich ein und zum Schluss stand ein Hersteller fest: Nolte.

Die Firma Nolte war mir von Beginn an sehr sympathisch. Bereits im Vorfeld hatte ich schon mit dem alten Nolte Online-Küchenplaner herum experimentiert und fand die Auswahl und Planungsmöglichkeiten sehr ansprechend. Da der Hersteller nun feststand, erarbeitete ich mir eine für mich ideale Planung anhand meiner Planungsvorgaben, womit wir schon beim Thema sind. Folgende zwei Vorgaben sollte meine neue Küche unbedingt erfüllen:

  • 88cm-Einbau-Kühlschrank in ergonomischer Höhe
  • 45cm-Kompakt-Backofen in ergonomischer Höhe

Alle weiteren Einzelheiten sind entweder heutiger Markenküchen-Standard (Auszugsdämpfer) oder durch bauliche Gegebenheiten vorgegeben (Sitz der Spüle, Höhe der Schränke). Der Maßzeichnung meiner Küche zu entnehmen ist, dass es sich um einen sehr kleinen Raum handelt (~4,97m²). Für mich ideal: Weniger zum Putzen! Die Illusion, dass ich aufgrund des kleinen Raumes auch deutlich günstiger wegkomme, hatte sich nach den Angeboten der ersten Küchenhändler schnell in Luft aufgelöst. Mein ursprüngliches Holz-Budget von 3.000,-€ war ab da Geschichte.


Die Planung meiner Küche veränderte sich im späteren Verlauf noch einige Male, jedoch nur geringfügig. Ausschlaggebend war der Preis, Argumentationen seitens der KFB oder eigene Überlegungen („Was brauche ich?“). Zum Beispiel versuchte ich anfangs die linke hintere Ecke zu nutzen. Dafür bot sich ein ‚LeMans‘-Eckschrank an. Nach langen Recherchen fiel der Eckschrank einer ‚toten Ecke‘ zum Opfer. Warum? Da ich nun einen 90cm breiten Auszugsschrank verwende, in dem ich den Platz viel besser nutzen kann und die aufwändige und ggf. anfällige Mechanik des ‚LeMans‘ wegfällt. Ein weiteres Beispiel für eine nachträgliche Änderung ist der schmale 30cm Hochschrank zwischen den beiden Geräteschränken. Begeistert von Apothekerschränken plante ich ohne Nachzudenken von Beginn an einen solchen mit ein. Sehr viel später fragte ich mich, wo Besen, Kehrschaufel, Reinigungsutensilien und die Leiter untergebracht werden sollten. Daraufhin fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Der teure und anfällige (?) Apothekerschrank muss weg; dafür ein simpler Besenschrank, der meine Bedürfnisse bei Weitem besser befriedigt.

Während sich die Planung Stück für Stück dem Optimum näherte, machte ich mich nebenbei an die Beschaffung der Elektrogeräte. Nach Erfragen der Preise für die gewünschten Geräte in einem ortsansässigen Küchenstudio fiel mein Entschluss, alle Geräte im Internet zu kaufen. Den vollintegrierten 45 cm Bosch SPV69T20EU Geschirrspüler erstand ich bereits kurz nach meinem Einzug im Frühjahr 2013 bei Redcoon für 633,98 € inkl. Lieferung in die Wohnung und Mitnahme der Verpackung. Mittlerweile ist er rund 100,- € günstiger zu bekommen. Ich habe ihn zum Küchenprojekt-Beginn an Warmwasser angeschlossen, nutze ihn ausschließlich im Eco-Modus und freue mich jedes Mal über die geringe Geräuschentwicklung. Ein Jahr später kamen die restlichen Küchengeräte hinzu. Ursprünglich wollte ich die gesamte Küche mit Bosch ausstatten, verwarf dies aber nachdem ich feststellen musste, dass Bosch keine besonders große Auswahl hatte und schwenkte kurzerhand auf die Marke Siemens um, deren Geräte aus dem gleichen Haus stammen (BSH). Das nächste Gerät sollte der Backofen sein. Leider sind diese Geräte mit von mir gewünschter Pyrolyse-Funktion nicht unter 1.000,- € zu bekommen, von daher musste ein Backofen ohne diese Funktion ausreichen. Auch ohne Pyrolyse war es auch so bereits der höchste Einzelgerätepreis. Ich entschied mich für einen 45 cm hohen Siemens HB86K575 Kompakt-Backofen mit integrierter Mikrowelle, den ich bei einem eBay-Händler für 839,-€ inkl. Versandkosten erstand. Dieser besitzt ein Farbdisplay und eine Programmautomatik; beide Merkmale ordne ich in die zu Beginn erwähnten ‚technischen Spielereien‘ ein, mit denen es Spaß macht zu arbeiten. Passend zum „Kleinküchentraum“ griff ich auch bei den restlichen Elektrogeräten zur Kompaktvariante. So kamen im weiteren Verlauf ein 88cm hoher Siemens KI22LAD40 Kühlschrank mit Energieeffizienzeinstufung A+++ und luftfeuchtigkeitsregulierbarem Gemüsefach für 568,-€ inkl. Versand und Altgeräte-Mitnahme sowie ein 30cm breites Siemens EH375MV17E Induktions-Domino-Kochfeld mit Topferkennung und vario-Kochzone für 493,-€ hinzu. Später fiel mir dann ein, dass unter Umständen auch eine Dunstabzugshaube hilfreich wäre und so komplettierte ich die Geräteriege durch eine Siemens LI48632 Flachschirm-Dunstabzugshaube, die ich gleich mit Umluft-Kit und Frontbedienpanel für 398,30€ bestellte. Die Dunstabzugshaube bekam eine kleine elektronische Aufrüstung, die im Zusammenhang mit der Arbeitsplattenbeleuchtung steht; aber nur Geduld.

Wenn die Gedanken um die elektrische Ausstattung der Küchengeräte kreisen, kommt man nicht umhin, sich mit einer bedarfsgerechten Arbeitsplattenbeleuchtung auseinander zu setzen. Um es möglichst kurz zu machen: Die am Markt erhältlichen Standard-Lichtsysteme erreichten nie den Status, die mit Bedacht und Anspruch ausgewählten/vorhandenen Geräten angemessen ergänzen zu können. Ein kreativ-emotionaler Geist lässt sich aber dadurch nicht abschrecken und sieht in jeder noch so unbedeutenden Kleinigkeit eine Möglichkeit zur Bestätigung der subjektiven Selbsteinschätzung. Die der geschwollenen Formulierungen nicht überdrüssig gewordenen Leser haben nach der zugegebenermaßen grenzwertigen Selbstbeweihräucherung ein Anrecht darauf, die endgültige Umsetzung der Arbeitsplattenbeleuchtung zu erfahren. Das Stichwort heißt LED-Technik! An sich mittlerweile nichts Besonderes mehr, gibt es auch hier große qualitative Unterschiede und unzählige Umsetzungsmöglichkeiten. Zum Beispiel kann man hochwertige LED-Leisten mit schicken Aluminiumprofilen kombinieren und mittels einer Oberfräse bündig in die Unterseite der Oberschränke einlassen. Trotz des hohen Aufwandes habe ich diese Lösung in meiner Küche umgesetzt und bin sehr zufrieden damit, auch wenn es nicht ganz perfekt gelaufen ist – aber das ist Meckern auf ‚hohem Niveau‘.

 

 

[…]

 

 

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