In der Auseinandersetzung, Musik in der bestmöglichen Qualität und Klangtreue wiederzugeben, habe ich bisher schon Vieles unternommen. Ich erinnere hier nur an folgende Projekte:

Bei Projekten, bei denen die Freude vor allem darin besteht, den Weg zur vermeintlichen Fertigstellung zu gehen, haben nie wirklich ein Ende. Zu viel gibt es zu tun, zu verbessern, zu verändern. Ein fertiges Projekt raubt mir den Spaß am Tun. Das geht zwar nicht so weit, dass ich alles wieder zerstöre, um es erneut herzustellen, aber oft stelle ich trotz penibler Vorbereitung schon während der Bauphase hier und da Verbesserungspotenziale fest, welche ich mir für einen späteren Zeitpunkt oder ein Nachfolgeprojekt im Hinterkopf behalte.

Initialzündung

Meine Lautsprecher stehen nun schon seit über 10 Jahren bei mir und ich bin nach wie vor stolz und sehr zufrieden mit der Optik und dem Klang. Nichtsdestotrotz kamen mir in den letzten Jahren immer wieder Einfälle, wie ich sie verbessern kann. Vor Kurzem fiel ich per Zufall auf die Bi-Amping-Funktion meines AV-Receivers, für Laien: Die verschiedenen Lautsprecherchassis einer Lautsprecherbox lassen sich nicht nur – wie üblich – an einen Anschluss des Verstärkers, sondern an mehrere Anschlüsse anschließen, aufgeteilt nach Tiefton- und Mittel/Hochtonchassis. Somit steht eine höhere Leistung für den gesamten Lautsprecher zur Verfügung und die Beeinflussung des Verstärkers durch das Tieftonchassis hat auf die klangsensibleren Mittel- und Hochtöne geringere Auswirkungen, da die dafür zuständigen Chassis, getrennt und durch einen eigenen Verstärkerausgang angetrieben, beeinflussungsfrei ihrer Aufgabe nachgehen können. Ich habe keine Vorher/Nachher-Messungen vorgenommen (das wäre interessant gewesen, fällt mir gerade ein), aber ich höre eine Verbesserung des Klangs. Ob das tatsächlich oder psychoakustisch (Erwartungshaltung) begründet ist, kann ich nicht beurteilen.

Logische Konsequenz

Wovon ich mir eine mess- und hörbare Verbesserung verspreche ist die sogenannte Aktivierung meiner Lautsprecher. Dabei wird die Endstufe des AV-Receivers umgangen und mithilfe externer Endstufen werden die Lautsprecher angetrieben. Diese rein bauliche Trennung sollte schon Vorteile im Klang bringen. Der eigentliche Clou kommt aber noch, denn die passive Frequenzweiche soll gegen einen digitalen Signalprozessor (DSP) ausgetauscht werden. Rein technologisch betrachtet, überführe ich meine Lautsprecher damit ins 21. Jahrhundert. Neben einschlägigen Möglichkeiten, die Vorteile eines DSP zu erfahren, möchte ich es meinen Lesern leichter machen und meine eigene Erklärung in kurzer Form hier zusammenfassen: Frequenzweichen sorgen dafür, dass die tiefen, mittleren und höhen Töne zu den richtigen Lautsprecherchassis gelangen. Dabei ist man bei der passiven Variante auf Spulen, Kondensatoren und Widerstände angewiesen, welcher man in korrekter Weise miteinander verlöten muss, um für den gesamten Lautsprecher einen ausgewogenen Klang zu erreichen. Diese initial vom Entwickler eines Lautsprechers durchzuführende Arbeit wird unter bestimmten Annahmen vorgenommen, welche unter üblichen Hörvoraussetzungen zu sehr guten Ergebnissen führen kann. Nachteil dieser Methode ist jedoch, dass einem jegliche Flexibilität genommen ist, auf bestimmte oder sich ändernde Hörbedingungen zu reagieren. Ein Beispiel: Durch ein neues Möbelstück rückt eine Lautsprecherbox aus der Idealposition heraus und der Klang verändert sich nun durch ein anderes Zeit- und Reflexionsverhalten des Schalls. Bei einer passiven Frequenzweiche ist hier der Aufwand deutlich höher, denn ich muss entweder mit der Einschränkung leben oder die Frequenzweiche aus dem Lautsprecher ausbauen und neue/zusätzliche Bauteile einlöten. Bis neue Messungen und Hörversuche die Optimierung bestätigen, liegt/hängt die Frequenzweiche außerhalb des Lautsprechers herum. Für mich ist das zu aufwändig! Ich finde es besser, mit dem Computer in den DSP des Lautsprechers einzugreifen und ihn an eine neue räumliche Situation (oder Klanggeschmack) anzupassen. Ich kann mehrere Einstellungen hinterlegen und somit z.B. verschiedene Abstimmungen im direkten Vergleich anhören oder für verschiedene Szenarios (Musik, Filme) eigene Vorgaben definieren. Dies mit passiven Frequenzweichen zu erreichen, bedeutet einen enormen zeitlichen und finanziellen Aufwand, welchen ich nicht bereit bin, zu investieren.

Auswahl der Verstärkermodule

Die Suche nach Endstufe und DSP für meine Zwecke gestaltete sich anfangs aufwändiger als gedacht und am Ende lag die Lösung simpel auf der Hand. Meine Suche führte mich über neue AV-Vorstufen mit neuen Endstufen und zwischengeschaltetem miniDSP. Dies zöge eine beträchtliche Investition (> 5.000 €) nach sich, welche zwar meinen Spieltrieb fördern würde, jedoch das Budget bei Weitem übersteigt.

Meine Entscheidung fiel auf die Verstärkermodule von Hypex. Dort fand ich ein 3-Wege-Modul (Tief, Mittel- und Hochton) in Class-D-Bauweise mit integriertem DSP zum Einbau in eine Lautsprecherbox. Nahezu perfekt für meine Anforderungen!

Gehäuse für die neuen Verstärkermodule

Der direkte Einbau in meine Lautsprecher kam nicht infrage, da ich meine Lautsprecher nicht aufsägen wollte und dies durch die Innenkonstruktion gar nicht möglich war. Durch eine innere Holzversteifung meiner Lautsprechergehäuse fehlt einfach der Platz für die Elektronik der Module. So kam also nur ein externes Gehäuse für die Module infrage. Mein Plan war, diese relativ kompakten Geräte in ein kleinstmögliches Gehäuse zu packen und an die Rückseite meiner Lautsprecher anzubringen.

Damit dieses Ziel auch optisch gefällig erreicht wird, sollten es hochwertige Aluminiumgehäuse der Schaeffer AG werden. Die vom Anbieter angebotene Software ermöglicht eine individuelle Konstruktion und Gestaltung von Gehäusen. Da sich die Lieferung der Microchips und somit meiner zukünftigen Verstärkermodule Corona-bedingt verzögert, hatte ich Zeit, die Gehäuse anhand der vom Hersteller freundlicherweise zur Verfügung gestellten technischen Zeichnung zu konstruieren.

Die Gehäuse bestehen aus schwarz eloxiertem Aluminium. Die Frontplatte bildet das Verstärkermodul, alle anderen Seiten liefert die Schaeffer AG. Obwohl ich die Gehäuseteile zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in den Händen halte, berufe ich mich auf meine Erfahrungen mit Schaeffer, wenn ich sage, dass die gelieferte Qualität über jeden Zweifel erhaben und die Preise – erst recht bei derartig geringen Stückzahlen – in Ordnung sind.

Da ich für die Module auch die dazu angebotene Fernbedienungseinheit mitbestellt habe, erhält diese ebenfalls ein kleines schmuckes Gehäuse von Schaeffer.

Erstes Hantieren mit den Modulen

Nach 6 Wochen erhielt ich endlich die Verstärkermodule und freute mich über die hohe Qualität und die geringen Abmessungen. Obwohl ich die Maße schon von den Zeichnungen kannte, staunte ich darüber, wie kompakt leistungsstarke Endstufen heutzutage sein können.

Natürlich konnte ich es nicht erwarten, die Module auch ohne Gehäuse erst einmal an den PC anzuschließen und mit den Einstellungen zu experimentieren, obwohl noch keine Verbindung zu meinen Lautsprechern bestand.

Zu aller erst prüfte ich den Stand der Firmware und aktualisierte sie auf die neueste Ausgabe. Dann überprüfte ich jede Einstellmöglichkeit auf Notwendigkeit für mein Projekt, die Bedienungsanleitung immer dabei.

Die Frequenzweiche, das unbekannte Wesen

Die Module bieten mir drei Speicherplätze für verschiedene Einstellungen. Ich entschied mich, die erste Einstellung mit den Werten zu versehen, mit welchen die (noch) vorhandene passive Frequenzweiche arbeitet. Dies wollte ich als Startpunkt verwenden, um bei fehlerhafter Vorgehensweise immer auf ein Backup zurückgreifen zu können. Schließlich werden die originalen Frequenzweichen dann nicht mehr nutzbar sein.

In der Auseinandersetzung mit der Logik der originalen Frequenzweiche überwand ich so manche Hürde mittels Simulationsprogrammen und fremden wie eigenen Beiträgen in Internetforen voller HiFi-Freaks.

Der handwerkliche Teil

Da nun alle drei Lautsprecherchassis pro Box jeweils einen Verstärker erhielten, bekamen die beiden bereits vorhandenen Anschlüsse noch einen weiteren hinzu, sodass nun insgesamt 6 Stecker auf der Rückseite jeder Lautsprecherbox prangen.